Geschirrset: Porzellan, Steinzeug oder Steingut?
Halt einen Teller ans Licht und klopf an den Rand: Zwei Handgriffe zeigen, was Porzellan, Bone China, Steinzeug und Steingut trennt.

Halte einen Teller gegen das Fenster, bevor du ein ganzes Set davon kaufst. Bei Porzellan scheint am dünnen Rand das Licht durch, bei Bone China sogar warm, mit einem Ton von Elfenbein. Steinzeug und Steingut bleiben dunkel, egal wie hell der Tag ist. Klopf dann mit dem Fingerknöchel an den Rand. Dichtes Porzellan antwortet hell und lange, poröses Steingut kurz und dumpf. Mit diesen zwei Handgriffen hast du das meiste, was die vier Materialien trennt, schon in der Hand. Beide prüfen denselben Teil: den gebrannten Grundkörper unter der Glasur, den Fachleute Scherben nennen. Er entscheidet, wie dein Geschirr die Spülmaschine übersteht und wie leicht ein Rand abplatzt.
Welches Material passt zu deinem Geschirrset?
Für die meisten Haushalte ist Porzellan die sicherste Wahl. Es nimmt praktisch kein Wasser auf, verträgt mit Dekor in oder unter der Glasur die Spülmaschine, und gute Serien lassen sich Teller für Teller ergänzen. Bone China ist Porzellan mit Knochenasche in der Masse: weißer, dünner und im Preis eine Stufe höher. Steinzeug ist ebenfalls gesintert, nimmt kaum Wasser auf und wirkt mit seinen meist farbigen Glasuren kräftiger. Steingut ist das weichste der vier Materialien. Auf ihm sitzen oft Glasuren mit Pinselspuren und Effekten, dafür braucht es etwas mehr Rücksicht, weil sein Scherben Wasser aufnimmt, sobald die Glasur verletzt ist.
Unten folgen die vier Materialien, vom dichtesten Scherben zum offensten.
Porzellan: das Service, das jeden Tag mitmacht
Am Dienstagabend wandert Porzellan in die Maschine, am Mittwochmorgen steht es wieder im Schrank. Das hält es über Jahre durch, solange das Dekor in der Glasur liegt. Sein Scherben ist so dicht, dass auch ein angeschlagener Rand nichts aufsaugt. Wer für eine Familie kauft oder für den Tisch, an dem jede Woche Gäste sitzen, braucht genau das: ein Service ohne Gebrauchsanweisung.
Die Form des modernen Porzellantellers ist ruhig: eine weiße Fläche, ein flacher Spiegel für das Essen, dazu entweder eine breite Fahne als Rahmen oder ein Rand, der ohne Absatz nach oben schwingt. Ein Lehrstück dieser Ruhe ist TAC von Rosenthal. Die Form stammt vom Bauhaus-Gründer Walter Gropius und erhielt 1970 den iF Design Award. Gefertigt wird das Porzellan laut Hersteller in Deutschland, und das Teller-Set bei Tischwelt bringt je sechs Speiseteller mit 28 Zentimetern, Frühstücks- und Suppenteller.
Achte auf dem Etikett auf die Wortwahl. Steht dort spülmaschinenfest, liegt das Dekor nach der Definition von Thomas in der Glasur. Bei weißem Porzellan ohne Dekor stellt sich die Frage gar nicht erst.
Für den Alltag mit sechs Gedecken passt die Serie Essential von like. by Villeroy & Boch. Der Hersteller spricht von Premium Porcelain und beschreibt das Material als besonders bruch- und kantenfest. Bei Breuninger gibt es das Dinner-Set mit 18 Teilen, bei OTTO das Starter-Set mit 30 Teilen inklusive Tassen. Eine feine Rillenstruktur zeichnet Loft von Thomas aus, ebenfalls als Set mit 18 Teilen. Junto Ocean Blue von Rosenthal beweist, dass Farbe noch kein Steinzeug macht: Das tiefe Blau liegt auf Porzellan, so steht es beim Hersteller. Für den Dezember gibt es den Star Fluted Christmas Teller von Royal Copenhagen aus geripptem Porzellan, mit Fichtenkränzen und goldenen Details. Wegen des Goldes empfiehlt Royal Copenhagen für ihn die Spüle statt der Maschine.
Bone China: das wärmste Weiß
Hältst du eine Tasse aus Bone China ans Licht, zeichnet sich der Kaffee darin als Schatten ab. Die Wand ist dünner als bei Hartporzellan, das Weiß wärmer. Dieses Leuchten verdankt Bone China der Knochenasche in der Masse, und Hartporzellan wirkt daneben kühler.
Der Name ist wörtlich gemeint. Die Knochen werden zu Asche gebrannt und mit Kaolin und Feldspatgestein vermengt. In Großbritannien gelten mindestens 30 Prozent Knochenasche als Maßstab, die klassische englische Rezeptur kommt laut der englischsprachigen Wikipedia auf die Hälfte. Empfindlich macht die Asche das Material nicht. Die Wikipedia nennt Bone China das festeste unter den weißen Geschirrkeramiken, und viele Serien dürfen in die Maschine.
Beim Namen lohnt Genauigkeit. Bone China oder Fine Bone China enthält Knochenasche, Fine China und New Bone China klingen ähnlich und kommen ohne sie aus.
Komplett für sechs deckt Sensai White von Thomas den Tisch: 30 Teile mit Speise-, Frühstücks- und tiefen Tellern, dazu Tassen und Untertassen, laut Thomas spülmaschinenfest. Seit 2010 führt Rosenthal die Serie Jade aus Bone China, als Tafelset mit je sechs Speise- und Suppentellern. Für zwei Personen passt Brillance Grand Air von Rosenthal, ein Dekor der Schweizer Gestalterin Regula Stüdli, seit 2022 im Programm. Bei der Serie Royal heißt das Material Premium Bone Porcelain, laut Villeroy & Boch ein Porzellan mit kalzinierter Rinderknochenasche. Wer lieber Teller für Teller kauft, findet den Speiseteller mit Fahne von Dibbern einzeln. Dibbern fertigt Fine Bone China in seiner Manufaktur in Hohenberg, die Teller werden dort laut Hersteller gedreht.
Steinzeug: dicht, farbig, mit Spuren des Ofens
Steinzeug gehört auf den Tisch, an dem aus der großen Schüssel geteilt wird. Es ist dicht gesintert wie Porzellan, aber kräftiger in der Wand und auch an unglasierten Stellen wasserdicht. Auf diesem Scherben sitzen gern Glasuren, die im Brand reagieren. Sie bilden Verläufe und brechen am Rand auf, und solche Spuren des Ofens zeigen, wie ein Teller entstanden ist.
Steinzeug verrät sich am Rand. Oft bleibt dort ein schmaler Streifen ohne Glasur, der den Scherben in Grau, Sand oder Braun zeigt. Die Glasur läuft nicht gleichmäßig, sie sammelt sich in Mulden und dünnt an Kanten aus. Wie ruhig das Material trotzdem wirken kann, zeigt Tonale, das der Architekt David Chipperfield für Alessi entworfen hat. Der Speiseteller aus hellgrauem Steinzeug misst 26,5 Zentimeter und darf laut Alessi auch in den Backofen.
Bei Steinzeug führt die Übersetzung gern in die Irre. Das englische stoneware heißt Steinzeug, im deutschen Handel wird es aber oft mit Steingut übersetzt. Den Unterschied machen Scherben und Wasseraufnahme, nicht das Etikett.
Broste Copenhagen beschreibt seine Serie Nordic Rain als reaktiv glasiertes stoneware, also Steinzeug, und bei Breuninger gibt es die grauen Speiseteller im Viererset. Für sechs Personen reicht Noah von Töchter & Söhne mit je sechs Ess- und Desserttellern und Müslischalen. Die Farbglasur in tiefem Grün läuft dort zu einem braunen Rand aus. Das Tafelservice Luigi von Ritzenhoff & Breker trägt ein Fliesendekor. Laut Hersteller wird das Dekor im keramischen Digitaldruck aufgebracht, gefertigt wird das Service in Europa. Bei KARE gibt es den Teller Vibrations in tiefem Kieferngrün mit organisch geformter Kontur, im Set zu vier Stück.
Steingut: Glasur zum Ansehen
Pinselspuren, Ränder wie von Hand getaucht, Glasuren, die tiefer und unruhiger wirken als die von Porzellan: So sieht Steingut oft aus. Am Anfang dieser Ware steht die Creamware, ein fein glasiertes Steingut, das Josiah Wedgwood 1765 in England vorstellte. Heute setzen Hersteller Steingut gern für Effektglasuren und handgefertigte Serien ein.
Erkennen lässt sich Steingut oft an einer Oberfläche, auf der das Dekor gemalt statt gedruckt wirkt. Die Farben reichen vom Grau einer Effektglasur bis zu kräftigem Türkis.
Steingut lebt von seiner Glasur. Sieh dir die Essfläche genau an: Sie sollte geschlossen sein, ohne Haarrisse und ohne raue Stellen. Und lies, was der Hersteller zur Spülmaschine schreibt.
Lave stammt aus derselben Linie like. by Villeroy & Boch wie Essential, doch hier nennt das Haus ausdrücklich Steingut als Material. Durch eine Effektglasur gleicht laut Hersteller kein Stück dem anderen, und die Serie ist nach seinen Angaben spülmaschinenfest. Bei OTTO gibt es das Dinner-Set für zwei mit großen Tellern und Schalen, bei Tischwelt das Frühstücks-Set mit Bechern. Das Kombiservice Manila von Sänger deckt mit 30 Teilen den Tisch für sechs, darunter Pastateller und große Kaffeebecher. Laut Hersteller ist das Steingut von Hand gefertigt. Ebenfalls im Programm: Paros in Türkis mit sandiger Maserung, als Kombiservice für vier Personen.

Ist Steingut besser als Porzellan?
Für den Alltag nicht: Porzellan hält mehr aus als Steingut, weil sein Scherben dicht ist. Steingut bleibt porös und ist auf seine Glasur angewiesen. Der Hersteller BHS tabletop, zu dem Bauscher und Schönwald gehören, brennt Hartporzellan im Glattbrand bei über 1.400 Grad. Steingut brennt laut der Wikipedia meist bei etwa 970 bis 1.200 Grad. Der amerikanische Zolltarif zieht daraus eine nüchterne Grenze: Porzellan darf höchstens 0,5 Prozent Wasser aufnehmen, Steingut nimmt mehr als 3 Prozent auf.
Solange die Glasur heil ist, merkst du davon beim Essen nichts. Den Unterschied zeigt erst der Abplatzer am Rand. Bei Porzellan bleibt darunter ein dichter, weißer Scherben, der nichts aufsaugt. Bei Steingut liegt nun eine offene Stelle frei, durch die Spülwasser und Fett einziehen können. Wer Teller jeden Tag stapelt, in die Maschine räumt und wieder herausnimmt, fährt mit Porzellan oder Steinzeug ruhiger.
Dafür hat Steingut eine Stärke, die sich sehen lässt: seine Glasuren. Für den Tisch am Sonntag, an dem das Geschirr gesehen werden will, ist das ein guter Grund.
Welche Nachteile hat Steingut-Geschirr?
Steingut ist stoßempfindlicher als Porzellan und nimmt Wasser auf, sobald seine Glasur reißt oder abplatzt. Beides hängt am porösen Scherben. Ein Rand, der an den Wasserhahn stößt, splittert bei Steingut leichter als bei dichtem Material, und unter dem Splitter liegt saugfähiger Ton.
Die zweite Eigenheit sind feine Haarrisse in der Glasur, die Fachleute Craquelé nennen. Sie entstehen, wenn sich Scherben und Glasur beim Abkühlen oder bei schnellen Temperaturwechseln unterschiedlich stark zusammenziehen. Auf einer Vase sind solche Risse ein gewolltes Muster. Im Geschirr setzen sich laut der Wikipedia Fett und Flüssigkeit darin fest und verfärben den Scherben von innen. In den braunen Linien einer Müslischale sitzt dann, was keine Spülmaschine mehr erreicht.
Daraus folgt kein Verbot, nur mehr Aufmerksamkeit. Für Teller, auf denen Brot und Käse liegen, ist Steingut mit intakter Glasur gut gewählt. Bei Bechern, die jeden Morgen heiß gefüllt werden, lohnt der Blick auf die Freigabe für die Maschine, wie sie Villeroy & Boch für Lave gibt.
Darf Steingut in die Spülmaschine?
Steingut darf in die Spülmaschine, wenn der Hersteller es ausdrücklich freigibt. Die Verbraucherzentrale hält Porzellan und Steingut grundsätzlich für spülmaschinentauglich, solange kein Gold- oder Platinrand darauf sitzt. Verbindlich ist aber das Etikett, und dort entscheidet die zweite Hälfte des Wortes.
Spülmaschinenfest und spülmaschinengeeignet klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes. Thomas, eine Marke von Rosenthal, erklärt es so: Bei spülmaschinenfestem Dekor wird die Farbe bei rund 1.000 Grad in die Glasur eingeschmolzen und sinkt ein. Bei spülmaschinengeeignetem Dekor wird sie bei mindestens 750 Grad auf die Glasur gebrannt und liegt obenauf. Für diese Stücke empfiehlt Thomas das Sparprogramm bei 55 Grad. Prüfen lässt sich die Beständigkeit nach der Normreihe DIN EN 12875. Üblich sind laut dem Prüflabor Measurlabs 125, 250 oder 500 Spülgänge. Danach wird jedes Stück mit einem ungespülten verglichen.
Für die Mikrowelle gilt eine Regel ohne Ausnahme. Gold- und Platinränder reflektieren die Strahlung, es kommt zu Funken, und Dekor wie Gerät nehmen Schaden. BHS tabletop und Dibbern schreiben das übereinstimmend. Dibbern trägt Platin nach dem Brand von Hand auf, ohne schützende Glasur darüber. Solche Teller gehören in die Spüle.

Ein häufiger Fehlalarm sind graue Striche auf hellen Tellern. Das ist kein Kratzer in der Glasur, sondern Metall vom Besteck, das sich auf der härteren Glasur abreibt. Tischwelt erklärt, dass sich der Abrieb mit einem nicht scheuernden Reiniger entfernen lässt. Auf matten Oberflächen fällt er stärker auf als auf glänzenden.
Große Temperatursprünge verträgt auch Porzellan nur bis zu einer Grenze. BHS tabletop nennt 220 Grad Unterschied, etwa Geschirr, das auf über 200 Grad vorgeheizt ist und Tiefkühlware von minus 20 Grad aufnimmt. Im Alltag heißt das: eine Schale mit Tiefgekühltem nicht direkt in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen stellen. Für Steinzeug und Steingut zählt die Angabe des Herstellers.
Welches Geschirr ist am robustesten?
Am robustesten ist dichtes Porzellan oder Bone China mit kräftigem Rand, denn im Alltag entscheidet die Kante. Hotels und Kantinen setzen deshalb auf Porzellan mit verstärktem Rand und dicht gepresster Flachware, weil dort jeden Tag Teller aneinanderstoßen. Für den Haushalt gibt es dieselbe Idee in milderer Form. Villeroy & Boch beschreibt sein Premium Porcelain als Porzellan mit den Gebrauchseigenschaften des Vitroporzellans, und Iittala fertigt Teema aus Vitroporzellan.
Bone China verbindet eine dünne Wand mit hoher Bruchzähigkeit. Steinzeug wirkt durch seine Wandstärke kräftig, kann aber bei einem harten Stoß auf die Kante splittern wie jedes spröde Material. Steingut ist von den vier Materialien das weichste, sein Rand gibt am ehesten nach.

Für einen Haushalt mit Kindern oder einer engen Spülmaschine heißt das: Porzellan oder Bone China mit kräftigem Rand, dazu Schalen aus Steinzeug. Teller mit sehr dünn auslaufender Kante sehen fein aus und verlangen ein ruhigeres Händchen beim Einräumen.
Wie viele Teile braucht ein Geschirrset für 6 Personen?
Ein Kombiservice für sechs Personen hat meist 30 Teile: je sechs Speiseteller, Suppenteller, Frühstücksteller, Tassen und Untertassen. So setzt Seltmann Weiden sein Kombiservice Life zusammen. Ein Tafelservice lässt die Tassen weg und kommt bei sechs Personen meist auf 18 Teile. Ein Kaffeeservice ersetzt die großen Teller durch Kuchenteller.
Die Zahl der Teile sagt wenig über die Größe. Bei Seltmann misst der Speiseteller im Life-Service 28 Zentimeter, beim 30-teiligen Kombiservice Bianco von Ritzenhoff & Breker sind es 24 Zentimeter. Vier Zentimeter entscheiden darüber, ob ein Steak mit Beilage Platz hat oder ob die Kartoffeln über den Rand rollen. Als Speiseteller gelten 26 bis 28 Zentimeter, als tiefer Teller 21 bis 23 und als Kuchenteller 19 bis 21.
Kauf lieber für acht als für sechs, wenn du gern Gäste hast. Ein Teller geht in jedem Haushalt irgendwann zu Bruch, und zwei Reserveteller sparen die Suche nach einer Serie, die es nicht mehr gibt. Damit ist auch die zweite Frage gestellt: Lässt sich das Set einzeln nachkaufen? Villeroy & Boch kündigt nach eigener Angabe bis zu zwölf Monate vorher an, wenn eine Serie ausläuft. Rosenthal gibt im eigenen Onlineshop nach Registrierung drei Jahre Bruchgarantie. Bei Serien, die als offenes Sortiment geführt werden, kaufst du einfach einen Teller nach.
Welches Geschirr ist gerade modern?
Modern ist das Kombinieren: einzelne Stücke in verwandten Farben statt eines durchgehenden Services. Die Messe Frankfurt beschrieb nach der Ambiente 2025 einen handwerklichen Keramik-Look, der zum ungezwungenen Kombinieren gemacht ist, dazu Blütendekore, Pastelltöne und ein kräftiges Grün mit Gold und Silber. Das britische Speciality Food Magazine fand im Januar 2026 im Handel dasselbe Muster: auffällige Einzelstücke statt kompletter Sets, matte Oberflächen mit Werkstattcharakter, warme Erdtöne.
In ihrem Trendportal Conzoom zählte die Messe schon 2024 Steinzeug mit reaktiven Glasuren und organischen Formen zu den Geschirrtrends. Eine solche Glasur enthält Metalloxide, die im Brand über etwa 1.200 Grad miteinander reagieren und Verläufe, Sprenkel und dunkle Kanten bilden. Darum hat jeder Teller sein eigenes Muster, und ein Steinzeugservice bekommt Bewegung, ohne unruhig zu wirken.
Damit das Kombinieren gelingt, braucht es eine ruhige Basis. Weiße Teller verschiedener Hersteller nebeneinander verraten sich, denn jedes Weiß hat einen eigenen Ton, mal kühler, mal wärmer. Leichter wird es mit einer durchgehenden weißen Porzellanserie für die großen Teller und farbigem Steinzeug für Schalen und Frühstücksteller. Zwei Farben auf dem Tisch reichen, die dritte bringt das Essen.

Woran du gutes Geschirr erkennst
Am Rand. Fast jeder Teller, der aussortiert wird, hat zuerst an der Kante gelitten, nicht in der Fläche. Ein sauber verrundeter, nicht zu dünn auslaufender Rand ist deshalb ein besseres Zeichen als ein schweres Gewicht in der Hand.
Streich mit dem Fingernagel über das Dekor. Spürst du eine feine Erhebung, liegt die Farbe auf der Glasur. Solches Aufglasurdekor ist empfindlich und gehört eher in die Spüle als in die Maschine. Ist die Fläche glatt, liegt das Dekor in oder unter der Glasur und ist mit ihr verschmolzen. Dreh den Teller außerdem um. Eine Marke unter der Glasur wurde mitgebrannt und lässt sich nicht nachträglich aufbringen, ein aufgeklebtes Etikett erzählt weniger.
Zuletzt die Glasur selbst. Nadelstiche, raue Stellen oder feine Risse auf der Essfläche haben im Geschirr nichts verloren. Bei reaktiven Glasuren gehören Verläufe und dunkle Ränder dagegen dazu. Jedes Stück kommt anders aus dem Ofen, nur die Form ist bei allen gleich.
Was ein gutes Geschirrset kostet
Ein Porzellanservice für sechs Personen beginnt bei den Händlern in diesem Ratgeber um 150 Euro und reicht bis knapp 380 Euro für das Teller-Set TAC von Rosenthal. Steinzeug für sechs liegt um 115 bis 130 Euro, Steingut um 170 Euro. Ein ganzes Service aus Bone China mit 30 Teilen kostet um 240 Euro, ein einzelner Speiseteller aus Fine Bone China um 50 Euro. Die Preise stammen aus den Feeds der Händler, Stand 29.09.2026.
Was den Aufpreis trägt, lässt sich benennen. Dekor in oder unter der Glasur braucht einen zweiten Hochbrand, Aufglasurdekor nicht. Dünne Wände bei gleicher Festigkeit verlangen eine feinere Masse und eine genauere Fertigung. Und wer eine Serie über Jahre nachliefert, hält Formen, Rohstoffe und Lager vor.
Am oberen Ende kaufst du deshalb vor allem Zeit: eine Serie, die auch nach Jahren noch einen Ersatzteller liefert. Wo öfter etwas zu Bruch geht, lohnt es sich, eher die nachkaufbare Serie zu wählen als das aufwendigste Dekor.
Welches Geschirrset eignet sich als Geschenk?
Zum Einzug und zur Hochzeit verschenkst du am sichersten weißes Porzellan aus einer Serie, die sich nachkaufen lässt. Ein Service steht täglich auf dem Tisch und erinnert jedes Mal an den Anlass. Weiß setzt keinen Stil voraus, und mit Teilen derselben Serie können Freunde und Familie das Geschenk später ergänzen. Mehr Ideen für den Neuanfang sammelt der Ratgeber Geschenke zum Einzug.
Farbiges Steinzeug oder handgemachtes Steingut ist das persönlichere Geschenk, aber auch das riskantere, denn es setzt einen Stil voraus. Für den Weihnachtstisch lohnt ein kleines Set für zwei, etwa Frühstücksteller und Becher. Wer den Tisch komplett machen will, legt Gläser dazu: Wie sich Tumbler und Tulpe unterscheiden, steht im Ratgeber zu Whiskygläsern.
Woran du unbedenkliches Geschirr erkennst
Unbedenkliches Geschirr erkennst du an einer glatten Glasur und an Dekor, das in oder unter ihr liegt. Dazu kommt ein Anbieter, der die Konformitätserklärung zeigt. Geschirr aus Keramik muss in der EU Grenzwerte für Blei und Cadmium einhalten, festgelegt in der Richtlinie 84/500/EWG. Mit der Konformitätserklärung bestätigt schriftlich, wer die Ware in Verkehr bringt, dass sie diese Werte einhält. Im Onlinehandel muss die Erklärung laut dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart auf der Homepage abrufbar oder jeder Sendung beigefügt sein.
Die Grenzwerte stammen aus dem Jahr 1984. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2020 deutlich niedrigere Werte empfohlen, besonders für Kindergeschirr. Für deinen Einkauf zählt deshalb, wo Blei und Cadmium überhaupt sitzen können: in Farben und Glasuren, nicht im Scherben.
Daraus ergibt sich eine einfache Reihenfolge. Weißes, hoch gebranntes Porzellan gilt laut Verbraucherzentrale als unkritisch. Bei farbigen Stücken ist Dekor, das unter oder in der Glasur liegt, mit ihr verschmolzen und kommt mit Speisen nicht in Berührung. Eine glatte, geschlossene Essfläche ohne raue Stellen oder Haarrisse ist das dritte gute Zeichen. Für Becher und Schalen mit bunter Innenseite lohnt der Blick in die Angaben des Herstellers.
Vom weißen Gold zum Teller für jeden Tag
Porzellan kam aus China. In Jingdezhen entstand ab der Mitte des 14. Jahrhunderts das blau-weiße Unterglasurdekor, und 1369 gründete das Kaiserhaus dort eine eigene Manufaktur. Nachmachen konnte es in Europa lange niemand. Erst 1708 gelang der Forschung um Johann Friedrich Böttger ein weißer, dichter Scherben. Am 23. Januar 1710 wurde die Manufaktur in Meissen per Dekret gegründet. Ab 1731 setzten sich dort die gekreuzten Schwerter als Marke durch, kobaltblau unter die Glasur gemalt.
England ging einen anderen Weg. Josiah Wedgwood stellte 1765 eine cremefarbene, fein glasierte Steingutware vor, die als Queen’s Ware bekannt wurde. Um 1790 entwickelte Josiah Spode in Stoke eine Porzellanmasse mit Knochenasche, die ab 1796 als Stoke China verkauft wurde.
In Deutschland wurde Porzellan im 19. Jahrhundert zur Industrie. Villeroy & Boch geht auf die Werkstatt zurück, die François Boch 1748 in Lothringen eröffnete, und entstand 1836 aus der Fusion mit Nicolas Villeroy. Philipp Rosenthal gründete sein Unternehmen 1879, und 1954 entwarfen Raymond Loewy und Richard Latham dort die Form 2000.
Eine der klarsten Antworten auf das geschlossene Service kam aus Finnland. Kaj Franck entwarf 1948 für Arabia das Geschirr Kilta, das von 1952 bis 1974 gefertigt wurde. Das Victoria and Albert Museum beschreibt die Stücke als so zurückhaltend, dass sie sich in jeder Kombination verwenden ließen. 1981 kam Kilta überarbeitet als Teema zurück und steht seither auf Tischen, an denen niemand von einem Service spricht.
Porzellan, Bone China, Steinzeug und Steingut im Vergleich
| Material | Scherben und Brand | Licht und Klang | Spülmaschine | Passt zu |
|---|---|---|---|---|
| Porzellan | dicht, Glattbrand über 1.400 Grad, nimmt praktisch kein Wasser auf | scheint am dünnen Rand durch, klingt hell und lange | mit Dekor in oder unter der Glasur ja | Alltag, Familie, Gäste |
| Bone China | dicht, mit Knochenasche in der Masse | scheint warm durch, klingt hell | weiße Stücke meist ja, Gold und Platin von Hand | festlicher Tisch, feiner Alltag |
| Steinzeug | gesintert bei 1.200 bis 1.300 Grad, auch unglasiert wasserdicht | undurchsichtig, klingt hell | meist ja, Herstellerangabe zählt | Effektglasur, Kombinieren, rustikaler Tisch |
| Steingut | porös, gebrannt bei etwa 970 bis 1.200 Grad, braucht die Glasur | undurchsichtig, klingt dumpf | nur mit Freigabe des Herstellers | Landhaus, Handmade-Look, Frühstückstisch |
Häufige Fragen
Warum kein Steingut-Geschirr?
Weil sein Scherben Wasser aufnimmt, sobald die Glasur verletzt ist, und weil Ränder leichter abplatzen. Wer das weiß, setzt Steingut gezielt ein und achtet auf eine geschlossene Glasur und auf die Freigabe des Herstellers für die Maschine.
Ist Fine China dasselbe wie Bone China?
Nein. Fine China ist ein Handelsbegriff für feines Porzellan ohne Knochenasche. Bone China enthält Knochenasche, in Großbritannien gelten laut der englischsprachigen Wikipedia mindestens 30 Prozent als Maßstab, die amerikanische Norm ASTM C242 nennt 25 Prozent.
Enthält Bone China wirklich Tierknochen?
Ja. Die Knochen werden zu Asche gebrannt und mit Kaolin und Feldspatgestein zu einer Masse verarbeitet. Die klassische Rezeptur besteht zur Hälfte aus Knochenasche. Daher kommen das warme Weiß und das starke Durchscheinen.
Ist Steinzeug Keramik?
Ja. Keramik ist der Oberbegriff für alle gebrannten Werkstoffe aus Ton und Mineralien. Steingut, Steinzeug und Porzellan sind Klassen darin, die sich vor allem in der Brenntemperatur und der Dichte des Scherbens unterscheiden. Wer nur „Keramik“ auf das Etikett schreibt, sagt deshalb wenig über das Material.
Was macht Geschirr skandinavisch?
Meist die Idee, Stücke frei zu kombinieren, statt ein geschlossenes Service zu kaufen. Kaj Franck hat sie 1948 mit Kilta für Arabia in Form gebracht. Heute zeigen Broste Copenhagen mit reaktiv glasiertem Steinzeug und Royal Copenhagen mit geripptem Porzellan, wie verschieden das aussehen kann.
Welche Marke ist für Geschirr die beste?
Eine beste Marke gibt es nicht, wohl aber Merkmale, die gute Serien teilen: ein klar benanntes Material, Dekor in oder unter der Glasur, die Angabe spülmaschinenfest und Teile, die sich einzeln nachkaufen lassen. Wie lange eine Serie lebt, zeigt etwa Jade, die Rosenthal seit 2010 führt.
Wie viele Teile braucht ein Geschirrset für 4 Personen?
Rechne für ein Kombiservice mit fünf Teilen pro Person, also 20 Teilen, und für ein Tafelservice mit drei Teilen pro Person, also 12: je vier Speiseteller, Suppenteller und Frühstücksteller. Wer oft zu sechst isst, kauft gleich die größere Packung.
Zu Quellen und Stand
Produktangaben aus den Partnerfeeds von Tischwelt, OTTO, Breuninger und KARE, Stand 29.09.2026, und von den Herstellern. Zu Werkstoffen und Brand BHS tabletop, Dibbern, Thomas, Iittala und die Wikipedia, zur Abgrenzung der Klassen der Zolltarif der USA (HTSUS, Kapitel 69). Zur Spülmaschine die Normreihe DIN EN 12875, das Prüflabor Measurlabs, die Verbraucherzentrale und Tischwelt. Zu Blei und Cadmium die Stellungnahme 043/2020 des Bundesinstituts für Risikobewertung und das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. Zu Serviceteilen Seltmann Weiden und Ritzenhoff & Breker, zu Nachkauf und Garantie Villeroy & Boch und Rosenthal. Zu Trends die Messe Frankfurt und das Speciality Food Magazine. Zur Geschichte das Victoria and Albert Museum und die Wikipedia. Wie ich auswähle, steht unter So arbeite ich. Den aktuellen Preis prüfst du beim Anbieter.
Produktfotos: lizenzierte Händlerfotos aus den verlinkten Shops. Die Fotos im Text stammen von den in der Bildunterschrift genannten Fotografinnen und Fotografen. Wie die Bilder entstehen



